Plötzlich getrennt – ich darf mein Kind nicht mehr sehen

Plötzlich getrennt – ich darf mein Kind nicht mehr sehen

Das ist wohl das Schlimmste, was ein Vater sich vorstellen kann. Tut die Trennung vom Partner nicht schon genug weh, muss man sich ab sofort noch fragen, ob und wie lange man seine Kinder sehen darf. Unser Gesetz sieht da ziemlich klar die Mutter als erste Wahl und im Zweifel bekommt diese auch immer den Vorzug, sollten nicht gravierende Gründe dagegen sprechen. Aber fangen wir mal von vorne an.

Solange es noch kein gerichtliches Urteil gibt, ist man als Mann relativ machtlos und hat aktuell nur die Möglichkeit, sich mit der Mutter gütlich zu einigen und eine Vereinbarung zu treffen, wieviel Zeit das Kind wann beim Vater verbringt. Hier zählt allerdings nur der gute Wille der Mutter. Ein Gerichtsbeschluss zielt auf eine Umgangsvereinbarung ab, die üblicherweise den Vätern jedes 2. Wochenende von Freitag bis Sonntag den Umgang zugesteht.

Den Umgang vor Gericht erstreiten

Sollte die Mutter den Kontakt verschleppen und auch nicht mehr auf Anfragen reagieren, muss in jedem Fall das Gericht zu Hilfe gezogen werden. Die Gerichte sind im Übrigen dazu verpflichtet, innerhalb von 4 Wochen einen Gerichtstermin zur Beilegung der Streitigkeiten durchzuführen und eine Umgangsvereinbarung zu erreichen. Bis dahin ist selbst das Jugendamt nicht in der Lage in irgendeiner Form zu unterstützen, geschweige denn die Mutter zu irgendwelchen Zugeständnissen zu überreden oder zu zwingen. Alles in allem braucht es einen belastungsfähigen Gerichtsbeschluss. Sollte die Mutter auch nach einem Beschluss den Umgang verweigern, besteht die Möglichkeit, dass das Gericht eine sog. Umgangspflegschaft bestellen, die dafür Sorge trägt, dass auch wirklich ein Umgang stattfindet.

Letzte Möglichkeit, sollte sich die Mutter weiterhin sperren, den Umgang mit dem Kind zu ermöglichen, besteht darin, dass ein Ordnungsgeld gegen die Kindesmutter beantragt wird. Dieser Schritt zielt aber auch ganz klar darauf ab, irgendwann das Sorgerecht für das Kind zu erstreiten. In jedem Fall sollte ein Anwalt hinzugezogen werden, der bei der Auswahl der rechtlichen Schritte und bei den Gerichtsverhandlungen unterstützt.

Auf keinen Fall aufgeben

Kinder brauchen beide Elternteile. Gerade im jungen Kindesalter tragen beide Elternteile ihren eigenen Teil zur Entwicklung des Kindes bei. Selbst wenn die Eltern getrennt sind, sollte alles unternommen werden, dass das Kind einen Zugang zu beiden Elternteilen behält. Nichts ist schlimmer, als wenn irgendwann in der Zukunft das Kind mal auf den Vater zukommt und die Frage stellt, warum er nicht um gemeinsame Zeit gekämpft hat. Selbst wenn die Fronten noch so sehr verhärtet sind, es lohnt sich in jedem Fall, um ein Umgangsrecht zu kämpfen, schließlich ist es auch zur Hälfte das Kind des Vaters.

Wenn man es genau betrachtet, dreht es sich bei den Eltern immerhin um zwei Menschen, die sich einmal geliebt haben. Man sollte meinen, dass gemeinsam eine Lösung gefunden werden kann, die dem Wohl des gemeinsamen Kindes förderlich ist. Aus Sicht des Kindes – welches die Trennung wahrscheinlich weder versteht, noch irgendwie verarbeiten kann – fehlt quasi ab sofort die Liebe beider Eltern. Selbst wenn es bei der Mutter noch alle Zuneigung und Liebe bekommt, fehlt dennoch ein nicht zu verachtender Teil des Vaters. Je länger dieser Zustand anhält, desto größer ist auch die Gefahr, dass sich das Kind vom Kindsvater entfremdet und ihn eines Tages vielleicht überhaupt nicht mehr wiedererkennt. Dafür gibt es sogar einen Fachbegriff, die sog. Eltern-Kind-Entfremdung. Aus diesem Grund sollte auch nicht zu viel Zeit ins Land gehen, bis es zu geregeltem Umgang nach der Trennung kommt.

Natürlich ist es auch für das Kind völlig unverständlich, warum das gewohnte Elternhaus auf einmal nicht mehr das ist, was es vorher war, warum die Mutter den Umgang mit dem Vater verbietet, oder noch schlimmer, warum auf einmal ein anderer Mann an die Stelle des Kindsvaters tritt und Zeit mit Mutter und Kind verbringt. Für das Kind ist die Welt aus den Fugen geraten und die Eltern sollten alles dafür tun, damit diese zumindest teilweise wieder heil wird.

Alltag nicht nur an jedem 2. Wochenende

Natürlich ist es immer ein Highlight für das Kind, wenn es am Wochenende seinen Vater sehen darf, um gemeinsam eine tolle Zeit verbringen zu dürfen. Dies entspricht aber keinesfalls den natürlichen Bedürfnissen eines Kindes. Kinder brauchen ihren Vater als Gegenpol zu ihren Müttern – jederzeit – um Dinge zu besprechen, im Streit auch eine andere Bezugsperson zu haben oder einen Ansprechpartner für Dinge zu haben, die es nicht mit der Mutter besprechen möchte. Und zwar nicht nur alle 14 Tage, sondern nach Möglichkeit, wenn es Bedarf dazu sieht.

 

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