Helikopter-Eltern auf dem Spielplatz

Ein Erfahrungsbericht von Marcus Möllinghoff aus Köln

Über mich

Mein Name ist Marcus, ich bin 42, verheiratet und habe 2 Kinder – ein Mädchen, 2 Jahre und ein Junge 5 mit Jahren. Aktuell befinde ich mich in Elternzeit für meine 2-jährige Tochter und teile mir Kinderbetreuung und Haushalt mit meiner Frau. Bei meinem Sohn war es mir noch nicht möglich, Elternzeit zu nehmen, da ich mich gerade beruflich umorientiert hatte und eine längere Pause einfach nicht in meine aktuelle berufliche Laufbahn passte. Doch bei meiner Tochter wollte ich dies unbedingt in Anspruch nehmen und damit vielleicht auch ein wenig mehr Zeit für meinen älteren Sohn zu haben. Soviel über mich.

Worum es mir eigentlich geht ist der Umgang der Eltern mit ihren Kindern in der heutigen Zeit. Als Beispiel möchte ich einen Nachmittag auf dem Spielplatz anführen, den ich Ende diesen Sommers genau so erlebt hatte. Wir leben etwas ausserhalb von Köln – hier scheint das klassische Familien-Modell noch ziemlich verbreitet zu sein und somit ist es für mich auch nicht verwunderlich, dass auf dem nahegelegenen Spielplatz eigentlich ausschließlich Kinder mit ihren Müttern anzutreffen sind. Väter sieht man hier kaum, wenn man auf Männer trifft, dann sind es eher schon die Opas der Kinder.

Auf dem Spielplatz

Eines Freitag Nachmittags war ich auch mit meinen beiden Rackern auf dem Spielplatz und saß auf einer Bank, trank meinen mitgebrachten Kaffee und las auf meinem Kindle ein Buch. Eine Frau, die mir gegenüber stand, fuchtelte wild mit den Händen herum und versuchte ihrem Sprössling nahezubringen, dass er bitte nicht auf die Schaukel stehen sollte, sondern sich hinsetzen, sonst könnte er sich schwerer verletzen. Besagte Frau hat mich im nächsten Moment angeschaut und stellte auch schon die Frage, wie ich denn mein Kind einfach so unbeaufsichtigt auf dem Spielplatz spielen lassen und auf mein Tablet starren könnte. Könnte ja sonst was passieren. Ich antwortete ihr, dass meine Kinder verantwortungsbewusst und nicht leichtsinnig spielen würde und der Ältere ja auch auf meine Tochter aufpassen würde. Das machte sie nur noch aufgebrachter und sie schimpfte vor sich hin, dass Väter sich ja aus der Erziehung und Betreuung raushalten sollten.

Naja, ich dachte mir nichts weiter dabei und las weiter. Als ein paar Minuten später plötzlich ein Kind schrie wie am Spieß, blickte ich auf und sah besagte Frau von gerade eben mit ihrem Sohn an der Hand völlig aufgebracht auf mich zulaufen. „Ihre Tochter hat meinem Sohn die Schaufel weggenommen.“ Auf meinen Hinweis, dass die Kinder das schon selbst miteinander klären könnten, schnaubte sie wutentbrannt: „Erziehen Sie Ihre Kinder gefälligst richtig, oder achten Sie besser darauf, wie sie spielen!“ Ich habe ihr erklärt, dass ich mit meinen Kindern darüber sprechen werde und meiner Tochter erklären würde, dass sie kein fremdes Spielzeug nehmen darf, so gut es bei einer 3-Jährigen eben geht. Ich dachte eigentlich, dass damit das Thema gegessen wäre und wollte schon weiterlesen.

Da sehe ich die Frau, wie sie auf meine Tochter zugeht und anfängt mit ihr zu schimpfen. Jetzt wurde es auch mit zu bunt und ich lief auf das Geschehen zu. Mittlerweile haben sich noch 2 weitere Mütter kopfschüttelnd dazugesellt und blickten mich grimmig an. Deren Gedanken konnte ich förmlich auf der Stirn lesen. Ich wies die Mutter zurecht und erklärte ihr, dass meine Frau und ich die einzigen sind, die unsere Kinder in irgendeiner Form maßregeln – zumindest jetzt noch, solange sie nicht in der Schule sind. Und dass für mich das Thema jetzt erledigt sei. „Komm, Ariane, dann spielen wir jetzt alleine weiter, Du wirst nicht so ein schlimmes Kind, oder?“, war ihr einziger Kommentar und sie warf mir noch einen bösen Blick zu.

Fazit

Ich hab aus Neugier (und auch um meine Aggression etwas abzubauen) der Frauengruppe noch etwas gelauscht und Sätze wie: „Du kannst Dein Kind nirgends mehr unbeobachtet hinschicken“ oder „Wenn man nicht überall dabei ist“ gehört und mich gefragt, wie sie denn die Kindergarten- und Schulzeit überstehen wollen. Ich habe schon von Müttern gehört, die sich den kompletten Schultag des Kindes über auf dem Pausenhof versteckt hatten, um in den Pausen darauf achten zu können, dass ihrem Sprössling ja kein Unrecht geschieht. Oder Eltern, die ihren Kindern selbst auf weiterführende Schulen den Schulweg nicht alleine zutrauen und mitlaufen. Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen, wann soll man denn dann die Grenze ziehen. Irgendwann müssen Kinder doch auch erwachsen werden?

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